Juli Zeh – Neujahr (2018, Luchterhand Verlag)
Ein Juli-Zeh-Buch mit nur 200 Seiten? Grandios, denkt sich der deutsche Leser, perfekt für den nächsten Sommerurlaub! Zwar schätzt er die andernfalls dicken Wälzer der Autorin, weiß aber, dass zwischen Mietwagen-Ausflügen und Kinderplantschbecken niemals die benötigte Lesezeit zu finden sein wird.
„Neujahr“ ist, wenn auch deutlich kompakter, auf den ersten Blick ein klassischer ‚Zeh‘: voller intelligenter Beobachtungen, perfekt konzipiert, rasant geschrieben - und das wohl persönlichste Buch der Autorin. Wer allerdings auf seichte Unterhaltung für den Strandkorb hofft, hat sich literarisch verlaufen. Als Protagonist Henning mit Frau und zwei Kleinkindern in den Urlaub auf Lanzarote fährt, widerfährt ihm eine unerwartete Konfrontation mit der eigenen Vergangenheit*. Tiefste Ängste aus der Kindheit, in deren eindringlichen Beschreibungen sich viele von uns wiederfinden, sprudeln mosaikartig an die Oberfläche von Henning‘s Bewusstsein, so dass die Lektüre darüber, was damals passierte, zum absoluten Leserauscherlebnis wird. Ein Buch empfehlenswert für jeden, der sich nach guter Literatur mit psychologischem Tiefgang sehnt – mit passender Vorbereitung dann auch im Liegestuhl am Mittelmeer.
Mehr Info hier:
https://rhspecials.randomhouse.de/microsites/julizeh7/details.php?isbn=978-3-630-87572-9
*Trigger-Warnung: Leser/innen, die selbst mit (noch nicht verarbeiteten) Kindheitstrauma und Panikattacken zu kämpfen haben, lesen besser etwas anderes.